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Organisation

Ein neues Organigramm ist kein Organisationsdesign

Unternehmen stehen auch 2026 unter hohem Anpassungsdruck. Wirtschaftliche Unsicherheit, Effizienzdruck und technologischer Wandel – allen voran KI – zwingen viele Organisationen dazu, ihre Strukturen und Arbeitsweisen zu hinterfragen.

· Charlotte Mursch · 3 Minuten Lesezeit

Gerade unter Zeit- und Kostendruck besteht die Versuchung, zunächst an den sichtbarsten Stellhebeln anzusetzen. Führungsebenen werden reduziert, Teams zusammengelegt oder Funktionen zentralisiert. Das kann durchaus kurzfristige Effekte erzeugen.

Am Ende steht ein neues Organigramm – häufig, bevor überhaupt geklärt ist, wie die Organisation künftig eigentlich funktionieren soll. Langfristig reicht eine solche strukturelle Anpassung jedoch häufig nicht aus.

Denn ein Organigramm kann im Kern eigentlich nur zeigen: Wer ist wo in der Organisation verortet?

Ein Organigramm zeigt Struktur – aber nicht, wie die Organisation arbeitet

Gerade aufgrund seiner Übersichtlichkeit schafft ein Organigramm Transparenz über Hierarchien, organisatorische Einheiten, Funktionen und Berichtslinien.

Viele der Fragen, die im Arbeitsalltag darüber entscheiden, ob eine Organisation tatsächlich funktioniert, beantwortet es jedoch nicht:

  • Wer macht eigentlich was?
  • Wer trägt für welche Themen tatsächlich die Verantwortung?
  • Wer darf welche Entscheidungen treffen?
  • Wie arbeiten Bereiche an ihren Schnittstellen zusammen?
  • Welche Prozesse liegen in welchem Bereich?
  • Wo werden welche Ressourcen und Kompetenzen benötigt?

Wer lediglich Kästchen verschiebt, verändert deshalb zwar die formale Struktur, aber nicht direkt – und vor allem nicht strukturiert - die Art, wie das Unternehmen arbeitet.

Organisationsdesign beginnt bei der Strategie

Wenn ein neues Organigramm hermuss, sollte der erste Blick nicht auf die bestehende Struktur fallen, sondern auf die Anforderungen des Geschäfts.

Am Anfang steht die Frage: Welche Organisation braucht das Unternehmen, um seine Strategie umzusetzen?

Ausserdem: Welche Märkte und Kundengruppen sollen künftig bedient werden? Wo soll Wachstum entstehen? Welche Kompetenzen werden dafür benötigt? Wo braucht es Nähe zum Kunden und wo Standardisierung?

Das Organigramm visualisiert anschliessend einen Teil dieses Zielbilds.

Damit wird aus einer Reorganisation mehr als das Verschieben von Kästchen: eine bewusste Entscheidung darüber, wie ein Unternehmen künftig Wert schafft, Entscheidungen trifft und seine Ressourcen einsetzt.

Fünf Elemente müssen zusammenspielen

Ein wirksames Organisationsdesign betrachtet mehrere Dimensionen gleichzeitig:

1. Struktur

Wie wird das Unternehmen sinnvoll in steuerbare Bereiche gegliedert? Welche Funktionen, Teams und Führungsebenen braucht es? Und welche Aufgaben werden global, regional oder lokal organisiert?

2. Rollen und Verantwortlichkeiten

Wer übernimmt welche Aufgaben und trägt wofür die Verantwortung? Wo müssen Zuständigkeiten klar voneinander abgegrenzt werden – und wo werden sie bewusst gemeinsam wahrgenommen?

3. Ressourcen und Kompetenzen

Welche Kapazitäten und Kompetenzen werden in den einzelnen Bereichen benötigt? Und entspricht die heutige Ressourcenverteilung tatsächlich den strategischen Prioritäten?

4. Prozesse und Zusammenarbeit

Wie läuft die Arbeit über Bereichsgrenzen hinweg? Welche Schnittstellen müssen bewusst gestaltet werden, damit Verantwortlichkeiten klar sind und keine unnötigen Abstimmungsschleifen entstehen?

5. Governance und Entscheidungsrechte

Welche Entscheidungen werden von wem getroffen? Wo braucht es klare Entscheidungsrechte, Gremien oder andere Steuerungsmechanismen – und wo würden diese lediglich zusätzliche Abstimmung erzeugen?

Diese Elemente greifen unmittelbar ineinander.

Eine neue Struktur bewirkt wenig, wenn für wichtige Themen weiterhin unklar ist, wer entscheiden darf.
Neue Verantwortlichkeiten helfen nicht, wenn Prozesse noch der alten Organisation folgen.
Und strategisch wichtige Bereiche können ihre Rolle nicht erfüllen, wenn ihnen die notwendigen Ressourcen oder Kompetenzen fehlen.

Das Organigramm ist das Ergebnis – nicht der Ausgangspunkt

Für Mitarbeitende ist am Ende nicht nur relevant, welchem Bereich oder welcher Führungskraft sie zugeordnet sind.

Sie müssen verstehen, welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten sie haben, welche Entscheidungen sie treffen dürfen, mit welchen Bereichen sie wie zusammenarbeiten und an welchen Prozessen sie beteiligt sind. Ebenso braucht es Klarheit darüber, welche Vorgaben gelten, wo relevante Informationen zu finden sind und welche Spielräume bestehen.

Das Organigramm bildet damit einen wichtigen Teil der Organisation ab. Entscheidend ist aber das Gesamtbild dahinter: Struktur, Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege, Prozesse, Zusammenarbeit sowie die notwendigen Ressourcen und Kompetenzen müssen zusammenpassen.

Drei Takeaways zum Organisationsdesign

  • Das Organigramm ist nicht der Ausgangspunkt. Zuerst muss klar sein, was das Geschäft künftig braucht und wie die Organisation dafür funktionieren muss.
  • Organisationsdesign muss ganzheitlich gedacht werden. Struktur allein reicht nicht. Rollen, Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege, Prozesse, Zusammenarbeit, Ressourcen und Kompetenzen müssen zusammenspielen.
  • Eine neue Organisation muss im Alltag verständlich sein. Mitarbeitende müssen wissen, was sich für sie verändert, welche Vorgaben gelten und welche Informationen sie brauchen, um in der neuen Organisation arbeiten zu können.
Charlotte Mursch

People & Organisation Advisory

Charlotte Mursch

Senior Consultant